Bürger fürchten sich vor Bienen

Anwohner wehren sich dagegen, dass ein Imker in Pachten auf einem seit langem brachliegenden Gelände, das er gekauft hat, Bienenstöcke aufstellt. Nun soll die Untere Bauaufsicht (UBA) des Kreises entscheiden.

Carolin Merkel

„Im vergangenen Januar habe ich in Dillingen-Pachten in der Parkstraße ein seit über 50 Jahren brachliegendes, verwildertes und teilweise als Hausmülldeponie zweckentfremdetes Grundstück gekauft“, erzählt Imker Matthias Kremer. Die Größe des Grundstückes liegt bei etwa 2000 Quadratmeter, es handelt sich dabei um Bauland in einer Mischgebiet-Lage. Das Grundstück grenzt an den Garten von Kremer. „Mit dem Erwerb wollte ich das Grundstück renaturieren“, sagt er. Dazu gehörten für ihn das Anlegen einer Streuobstwiese und das Aufstellen von sechs Bienenvölkern.

Gefahr für Kinderspielplatz

Die Bienen stehen seit Juli, mit Unterstützung des Imkervereins Dillingen und Rehlingen-Siersburg wurden Bäume gepflanzt. Doch so wie es sich für Kremer darstellt, scheint man mit seinen Maßnahmen nicht einverstanden zu sein.

Bereits im Sommer, bestätigt die Pressestelle der Stadt Dillingen , erhielt die Verwaltung eine Mitteilung, dass Bienenvölker an dieser Stelle eine Gefahrenlage für den benachbarten Kinderspielplatz und die Anwohner darstellen. „Wir sind dazu verpflichtet, diesen Sachverhalt an die UBA (Anm.: Untere Bauaufsicht des Landkreises) weiterzuleiten“, erklärt die Sprecherin.

Bereits im Herbst, sagt Kremer, war ein Mitarbeiter der UBA vor Ort. „Ich habe daraufhin den Nabu informiert, die haben mir mitgeteilt, dass vorgesehen sei, die Bienenvölker auf zwei zu reduzieren“, sagt Kremer. Doch mit zwei Völkern sagt Kremer, der inzwischen Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Dillingen ist, komme ein Imker nicht über den Winter. „Mit mir bangen auch weitere Imker in der Nachbarschaft, Neu-Imker schrecken ganz zurück.“ Er befürchtet, dass die Bienenhaltung untersagt werden könnte. „Das kann ich auch vor dem Hintergrund, dass Honigbienen eine erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung besitzen, die nicht nur allein im Honigertrag liegt, sondern vielmehr in ihrer Leistung als blütenbestäubendes Insekt begründet ist, nicht nachvollziehen“, sagt er.

Eine Anfrage unserer Zeitung an den Landkreis wurde ans Umweltministerium weitergeleitet. Zwischenzeitlich hat das Ministerium Kontakt zu Kremer aufgenommen. Demnach, erklärt Isabelle Jost, Referentin des Umweltministers Reinhold Jost , Kremer gegenüber, gäbe es keine Verordnung zur zulässigen Anzahl von Bienenvölkern, diese müsse „im konkreten Einzelfall unter Berücksichtigung aller Rahmenbedingungen beurteilt werden“, heißt es in der E-Mail. Und weiter: „Grenzabstände (in öffentlich-rechtlicher Hinsicht) für bauliche Anlagen (die keine Gebäude sind) nach Paragraf 7 LBO sind nur dann erforderlich, wenn von der baulichen Anlage Wirkungen wie von Gebäuden ausgehen. Dies ist zunächst erst dann anzunehmen, wenn sie höher als zwei Meter sind. Bienenfreistände sind keine Gebäude.“

UBA gibt keine Auskunft

Von Seiten der Stadt Dillingen gibt es „noch keinen neuen Stand der Dinge. Laut Rückmeldung des entsprechenden Amtes ist das Verfahren immer noch anhängig“. Letztendlich dürfe die Stadt auch nicht darüber entscheiden, sondern nur die UBA. Von deren Seiten heißt es bisher nur: „Wir sind immer noch in einem laufenden Verfahren, geben daher keine Auskunft.“

Quelle: Saarbrücker Zeitung vom 03.02.2016

Meinung:

Lächerliche Begründung

Von SZ-Redakteurin Nicole Bastong

Während alle Welt das auch für den Menschen bedrohliche Ausmaß des Bienensterbens beachtet, das saarländische Umweltministerium sogar ein Förderprogramm für Streuobstwiesen auflegt, funktioniert es im Kleinen mal wieder nicht: Da stören sich Anwohner an den Bemühungen eines Imkers, auf einem brachliegenden Grundstück ein Stück Natur zu retten. Und schon läuft die Bürokratie-Mühle an und man sucht eine Möglichkeit, die Bienenhaltung dort zu untersagen.

Auf die Begründung bin ich allerdings gespannt. Gefahr im Verzug für die Kinder auf dem nahen Spielplatz? Lächerlich und fadenscheinig. Bienen stechen nur, wenn sie bedroht werden.

Schlimm genug, dass es Menschen gibt, die den Einsatz der engagierten Imker nicht zu schätzen wissen, und offenbar auch den Wert der Bienen für unsere Natur nicht einschätzen können. Aber sollte es wirklich dazu kommen, dass die UBA die Bienenhaltung wegen einzelner Anwohner untersagt, wäre das nicht nur das Aus für viele Imker, sondern ein peinlicher, umweltpolitischer Skandal für einen Landkreis, der zugleich gerade einen Kreisumweltpreis für „Die artenreiche Naturblühwiese“ ausschreibt. „Insekten – ihre Bedeutung für die Umwelt und ihr Schutz“ war übrigens das Thema 2011; gewonnen haben zwei Imker. Seiner Linie sollte der Kreis treu bleiben.

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